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Friday, June 29 • 16:45 - 17:30
Einschüchtern und drohen, statt Antworten zu geben — Wie versucht wird, Recherchen zu verhindern

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Anwaltsschreiben statt Antworten- das sind oft die Reaktion der Verantwortlichen auf Rechercheanfragen von Journalisten. Insbesondere für Promis und Firmen ist das Routine. In den Schreiben wird die Recherche, oft auch ohne Anhaltspunkte, diskreditiert, für die eigenen Mandanten wird auch mal die Unwahrheit behauptet oder die Rechtslage verzerrt dargestellt. Anders als die Anwälte vorab versichern und "vorsorglich schon jetzt ankündigen" kommt es nach der erfolgten Berichterstattung dann aber fast nie zu juristischen Auseinandersetzungen, geschweige denn  zu einer Beschwerde oder Unterlassungsaufforderung.

Je nach Thema können dem Rechercheur  vor der Veröffentlichung noch ganz andere Reaktionen begegnen: Verbale Drohungen, ein social-media-shitstorm, Diskreditierung bei anderen Gesprächspartnern und sogar Gewalt.
Beides, Anwaltsschreiben und andere Einschüchterungsversuche während der Recherche, sind Thema dieses Panels.

Petra Reski, die sehr viel zur Mafia in Deutschland recherchiert hat, beklagt, dass all diese Versuche, Recherchen zu behindern und zu ersticken, schon Wirkung zeigen: Weil ein Klima der Angst entsteht, die Schere im Kopf der/s AutorIn und die in der Hand der verantwortlichen Redakteure in Gang gesetzt wird. Aus Vorsicht oder weil es z.B. eine juristische Auseinandersetzung  nicht wert ist, wird vorauseilend gestrichen, umformuliert oder ein ganzes Thema - wie die Mafia - vermieden.

Tobias Wolf wurde eine Schraube mit viel Kraftaufwand in den Autoreifen gedreht. Er berichtet regelmäßig über die Pegida in Sachsen und kennt zahlreiche Formen der Einschüchterung - nur bislang lässt ihn und seine Kollegen das kalt. Und so berichtet er nach Pegida nun auch viel über die AfD. Die schloss ihn vom Parteitag aus, weil er einen Antifa-Aufkleber auf dem Handy habe. Abgesehen davon, dass das eine fragwürdige Begründung ist, stimmte  sie nicht - alternative Fakten als Grundlage eines Parteitagsbeschlusses.

Christian Fuchs hat regelmäßig mit solchen Anfeindungen zu tun; ihn ärgert am meisten, dass schon abgeblockt wird, wenn er noch mitten in der Recherche ist und das Ergebnis seiner Berichterstattung noch gar nicht feststeht.

Links:
Ein schwarzer Tag für die Meinungsfreiheit (www.petrareski.com)
Wächterpreis für die Sächsische Zeitung (sz-online.de)


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Marcus Lindemann

managing editor, Autorenwerk
Marcus Lindemann ist geschäftsführender Autor von autoren(werk) und produziert seit dem Jahr 2000 mit seiner eigenen Firma Magazinstücke und Dokumentationen für ARD und ZDF, hauptsächlich zu Verbraucherthemen, gerne mit versteckter Kamera. Nach der Reihe "WISO ermittelt" ist... Read More →

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Christian Fuchs

Autor, DIE ZEIT
Christian Fuchs ist Autor im Investigativ-Ressort der Wochenzeitung DIE ZEIT. Davor arbeitete er für den Rechercheverbund von Süddeutsche Zeitung und NDR. Er hat Bestseller im Rowohlt-Verlag veröffentlicht, fürs Fernsehen gearbeitet, wurde mehrfach unter die „Journalisten des... Read More →
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Petra Reski

Autorin, www.petrareski.com
Petra Reski ist Journalistin und Schriftstellerin und lebt in Venedig. Seit 1989 schreibt sie über Italien - und immer wieder über die Mafia. Was ihr in Deutschland nicht nur zahlreiche Klagen, sondern auch Verleumdungen und Drohungen eingebracht hat. Ihr letzter Roman „Bei aller... Read More →
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Tobias Wolf

Redakteur, Sächsiche Zeitung
Tobias Wolf ist seit 2016 Reporter im Bereich Politik/Investigatives für die Seite 3 der Sächsischen Zeitung. Der Quereinsteiger studierte Politikwissenschaften, absolvierte Praktika Print/Fernsehen, den Kompaktkurs der Henri-Nannen-Schule sowie Volontärsschulungen und arbeitete... Read More →


Friday June 29, 2018 16:45 - 17:30
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